Freier Wille

Wenn ein Beitrag dieses Blogs von Freiheit spricht, ist es nur folgerichtig ebenso über das unsere Sehnsucht nach Freiheit begründende hohe Gesetz des freien Willens zu schreiben. Wiewohl die gesamte Schöpfung nur ein Gesetz kennt, die Liebe, kann man aus unserer gewohnt-trennenden Perspektive sagen, dass der freie Wille ein Teil dieses einen Gesetzes ist. In unserer Welt soll Liebe immer einzigartig sein. Dadurch verstehen wir nichts von jener Liebe, die die Schöpfung allem Leben bedingungslos entgegenbringt. Die bedingungslose Liebe, wie auch der freie Wille liegen jenseits einer möglichen Bewusstseinsmessung, im ewigen Reich des Unendlichen.

In einer Welt wie der unseren, über die man durchaus sagen könnte, dass sie unendlich viele Gesetze kennt, bewirkt die Vorstellung eines Lebens ohne Gesetz und Ordnung einfach ein genervtes Abwinken. So was gibt es nicht, sagt der alt hergebrachter Glaube. Das kurze Aufleuchten der Ideale der Französischen Revolution, „Liberté, égalité, fraternité“ (BW 1040), und auch die der Anarchie suchten vergeblich das Unmögliche in eine Welt zu bringen, die sich von Gott getrennt glaubte und sah. Immer wieder wurden in der Geschichte hohe Ideale menschlichen Miteinanders mit egoistischen Zielen verwaschen und gereichten viel zu schnell zu einer Karikatur ihrer Selbst. Dennoch hören die Menschen unserer Zeit zu besonderen Anlässen bewegt die 9. Sinfonie (BW 910) von Ludwig van Beethoven, deren vierter Satz (BW 1040), die „Ode an die Freude“*, diese Ideale über Wort und Klang lebendig werden lässt.

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Chor:
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.

Friedrich Schiller aus "Ode an die Freude" BW 1040

Versuchen wir die Gesetzte des Lebens nicht ganz tief in uns zu fühlen, stellt uns der freie Wille, von unserem Ego interpretiert, vor ein Paradoxon, da dieser Wille uns von Dimension zu Dimension in immer weitere Übereinstimmung mit dem Willen Gottes führt. Auch der Verstand wird uns sagen, dass es sich in diesem Fall unmöglich um einen wahren freien Willen handeln könne. Auf der anderen Seite erkennt dieser wiederum, dass, wo auch immer wir uns befinden, die Unterordnung unter einen höheren Willen notwendig ist, um das totale Chaos zu verhindern. Dass wir alle auch in dieser Dimension den Willen Gottes in uns tragen, steht für den Verstand allerdings jenseits seiner Realität. Seine Verständnisebene erreicht nur in seltenen Fällen BW 499, wobei diese ihm die Faszination an den Gesetzmäßigkeiten und Möglichkeiten der Welt der Materie schenkt. Dadurch glaubt er innerhalb seiner begrenzten Sicht alle irdischen Probleme aus sich selbst lösen zu können.

Auf der Seite „Die Autorin“ habe ich geschrieben: „Gäbe es die göttliche Gnade nicht, wären wir hier tatsächlich unwiderruflich verloren.“ Es sind nur wenige Worte, ist nur ein Satz. Doch von meiner Seite aus ist er mit gelebtem Inhalt gefüllt. Es gab Zeiten, wo ich all dem, was das rationale Verständnis dieser Welt behauptete, zu verstehen suchte. Dass es nicht einfach für mich war erklärt die Tatsache, dass ich mit einem Bewusstsein über BW 500 geboren wurde. Immer wieder hörte ich in etwa: „Das macht man nicht.“ Und ich mühte mich, so weit als möglich zurecht zu kommen. An Gott glaubte meine Familie nicht. Jedes Kind glaubt seinen Eltern, so auch ich. Meine intensive musikalische Ausbildung gelangte dann an jenen Punkt, wo sich mir die Frage stellte, wieso ich in einer Weise musizieren konnte, die mich selbst in Erstaunen versetzte. Eine rationale Erklärung gab es hierfür nicht. Mir wurde gesagt, ich wäre begabt. Doch woher kam diese Begabung? Für mich wurde sie zu einer oft gestellten Frage.

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

— Matthäus: 7,8

Eines Tages wurde mir ein so intensives Erlebnis jenseits aller Zeit und in totaler Erkenntnis meiner selbst geschenkt, dass ich seither sicher weiß, dass ich schon immer gelebt habe und immer leben werde. Die Liebe, die ich fühlen durfte war so unendlich wärmend und beglückend, dass ich nichts sehnlicher wünsche, als dorthin zurückzukehren. Ich bin dem Weg seither gefolgt und habe längst die Hürde genommen, zu glauben, dass ich etwas wüsste. Es mag vielleicht so aussehen, als sollten all die vielen Zahlenwerte in diesem Blog etwas beweisen, doch ist genau das Gegenteil der Fall. So wie ich selbst von den Aussagen in meinen Büchern überrascht wurde, ist dieser Blog alles andere, als ich mir hätte vorstellen können. Ich bin in keiner Weise an Zahlen und ihrer Gegenüberstellung interessiert. Dennoch haben mir meine Messungen am Ende ein viel tieferes Verständnis nicht nur meines Lebens geschenkt. Ich weiß nicht für wen und wofür es dient. Ich folge einfach einem unsichtbaren Weg. Es gibt so viele spirituelle Lehrer, die in ihrem Bewusstsein steckenbleiben, eben, weil sie sich in der Position sehen zu wissen. Doch Gottes Wille für jeden von uns, ist es anzuerkennen, dass wir nicht wissen können, allein schon auf Grund der Begrenztheit unserer persönlichen Sicht. Der große Lehrer Jiddhu Krishnamurti (1895-1986) sagte es in Bezug zu seiner ihm angetragenen Rolle als „Welterlöser“ sehr deutlich

…ich will keine Jünger oder Anhänger; ich meine das so, wie ich es sage. In dem Moment, in dem man beginnt, jemandem zu folgen, hört man auf, der Wahrheit zu folgen.

Warum gerade die erleuchteten spirituellen Lehrer unserer Zeit in ihrem Bewusstsein stehen zu bleiben scheinen, hängt sicher damit zusammen, dass sie davon ausgehen, dass Erleuchtung das allgemeine Ziel eines jeden spirituellen Weges sei. Doch wissen sie es wirklich? Dass es nicht so sein kann, zeigen die Werte all der viel bewussteren, nicht erleuchteten Personen auf der Seite Persönlichkeiten. Der Wille Gottes ist für jeden Menschen nur durch konsequente Innenschau erkennbar. In innerer Kontemplation können und sollten wir um Führung bitten. Wir dürfen in diesem Fall sicher sein, dass diese Bitte so machtvoll ist, dass alles, was uns begegnet in ihr erfüllt wird.

Jeder Moment ist der Guru.

— Charlotte Joko Beck (1917-2011)

Nicht immer können wir auf unseren Wegen Frieden erfahren. Wenn es gilt unbrauchbare Glaubenssätze loszulassen, kann uns das Leben sehr wohl auf harte Proben stellen. Sei es eine Mücke, die uns den Schlaf raubt, eine rote Ampel oder sogar eine Virus-Pandemie. Wenn wir uns Gottes Willen anvertrauen, der immer unser wahrer Wille bleiben wird, ist die Lösung zwar da, jedoch oft in keiner Weise so, wie wir es uns vorgestellt haben. Die Menschheit hat in unzähligen Gebeten um Frieden gebeten. Er kann nur in einer Gesellschaft Wirklichkeit werden, die sich als Einheit wiedererkennt. Das Ego und unser Verstand haben uns in eine unmögliche Situation manövriert. Nun gilt es zu vertrauen und zu glauben, weil wir nicht wissen.

Und doch weiß ich, dass jedes Leben von Gott berührt wird, weil es der Wille Gottes ist. Als der große Alfred Nobel (1833-1896) sein unerhörtes Testament niederschrieb, wurde er, wenn auch nur kurze Zeit vor seinem Tod, von der Liebe inspiriert. Obwohl sein Bewusstsein ein Leben lang BW 499 nie überschritt, und ihm der damit verbundene Forscherdrang 366 Patente einbrachte, konnte ich den kurzen Moment des Niederschreibens seines einseitigen Testamentes  mit BW 530 testen. So kommt es, dass es durch göttliche Intervention in unserer Welt den Nobelpreis gibt.

Und eines Tages werden sich Menschen voller Dankbarkeit erinnern, dass die göttliche Intervention ihnen durch ein kleines Virus, ihren freien Willen in wahrem Frieden leben zu wollen offenbart hat.

 

*Die BW-Werte gelten speziell für diese Aufnahme

2 Kommentare

  1. Unser Wille ist Gottes Wille, und alles geschieht nur durch diesen Willen.
    Hier meldet sich unser Ego voller Angst und schreit: „Das kann nicht sein. All die schrecklichen Dinge, die in dieser Welt passierten, habe ich nicht gewollt, und wenn sie Gott gewollt hätte, dann kann das kein liebender Gott sein. Einen solchen Gott möchte ich nicht“.
    Dies ist natürlich ein Missverständnis!
    Es ist selbstverständlich nicht Gott, der schlimme Krankheiten, Kriege, Umweltkatastrophen, schlechte Schulnoten, Autopannen, angebrannte Suppen, Vergewaltigungen, Morde usw. erzeugt und uns damit ärgerlich, angstvoll und hasserfüllt macht und uns Schuld fühlen lässt. Davon weiß ER nichts! Aber diese illusorische Wahrnehmung der Welt, die ja eindeutig von unserem Ego kommt, kann es m. E. ohne Gottes Willen nicht geben, denn:

    Außer Gott existiert nichts.
    Der Sohn ist seine einzige Schöpfung. Er ist in Gott und Gott ist in ihm. Und der Sohn sind wir alle. Jedes Lebewesen ist Gottes Sohn in seiner gespaltenen Wahrnehmung. Dieser Sohn ist nicht von Gott getrennt.
    Also ist alles, was der Sohn wahrnimmt, was ihn umgibt, Gott.
    Der Wille Gottes ist, dass sein Sohn ihn erkennt!

    Also zeigt Gott sich seinem Sohn. Und dieser nimmt ihn als Dinge, Mitteilungen, Lektionen… wahr.
    Denn der Sohn träumt. Alles, was der Sohn im Traum wahrnimmt, ist Illusion.
    In falsch gesinnter Wahrnehmung verstärkt er die angenommene Trennung, in rechtgesinnter Wahrnehmung kommt er der Erkenntnis seines Vaters näher.
    Dies hängt also davon ab, wie er das, was er sieht, für sich übersetzt.

    Vielleicht kann man es so ausdrücken:

    Der Erkenntniswille Gottes, lässt Gott dem schlafenden Sohn als Welt erscheinen. Er ist die Kraft, die im Sohn die Illusion auslöst, die in der richtigen Auslegung nach und nach zur Erkennung Gottes führt.

    1. Lieber Andreas,

      in Wahrheit ist es tatsächlich so, dass es nur Gottes Willen gibt. Er hat uns nach seinem Ebenbild erschaffen und dadurch teilen wir auch seinen Willen. Dieser freie Wille hat sich entschieden, sich selbst von Gott getrennt zu erfahren, wobei ihm dadurch die Erkenntnis seiner selbst verloren ging.
      Er glaubt in dieser Welt jemand zu sein, der er nicht ist: Nämlich ein getrennter, schutzbedürftiger Körper, umgeben von einer unberechenbaren Welt, die er versucht nach seinem Verständnis in Ordnung zu bringen. Die Macht ebenso wie Gott zu erschaffen, der nur Ewiges erschafft, ist ihm verloren gegangen, so dass nichts in seiner Welt von Dauer ist. Stattdessen projiziert er seinen Glauben an Trennung und Schuld nach außen. Es bedeutet, dass wir Gott nicht unterstellen können, irgend etwas mit einer Welt, die auf Halluzinationen beruht, zu tun zu haben, wie wir auch niemanden für unsere nächtlichen Träume verantwortlich machen können.
      Erst in Anerkennung der Tatsache, dass wir nicht mehr wissen, was wir wollen, werden wir uns in die richtige Richtung begeben. Wir wissen nicht, was irgendetwas bedeutet. Darum brauchen wir einen Lehrer, der die Wahrheit erkennt. Dieser innere Lehrer ist die Antwort Gottes auf die Trennung von seinem Willen. Er wird auf jede unserer vielen Fragen stets die gleiche Antwort geben: „Nur die Liebe bedeutet etwas.“ Dies in Anlehnung an die erste Lektion des „Ein Kurs in Wundern“, nämlich: „Nichts, was ich in diesem Raum sehe [auf dieser Straße, von diesem Fenster aus, an diesem Ort], bedeutet etwas.“

      Jeder Geist sieht das, was er zu sehen wünscht. Wollen wir wirklich die Wahrheit sehen, wird uns die innere Schau gewährt, die uns zeigt, dass jenseits der Liebe nichts existiert. Daher sagt uns die Bibel mit den Worten Jesu, der sich seiner nahen Kreuzigung gegenüber sah: „Vater, willst du, so nehme diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lukas: 22, 42)
      Unser freier Wille besteht hier nur darin, in allem, was immer uns begegnet allein seinem Willen voller Vertrauen folgen zu wollen. Es hängt somit nicht davon ab, uns selbst zu berichtigen,oder etwas zu deuten, weil wir gerade dazu nicht mehr fähig sind, sondern dass wir alles in unserem Leben dem uns gegebenen Lehrer übergeben, der die Wahrheit kennt. Diese Wahrheit fasst der „Ein Kurs in Wundern“ wie folgt zusammen:
      „Nichts Wirkliches kann bedroht werden.
      Nichts Unwirkliches existiert.
      Hierin liegt der Frieden Gottes.“

      Ein weiteres Zitat über den Zweck von „Ein Kurs in Wundern“, soll den Schlussgedanken bilden:
      „Der Zweck des Kurses ist es, einen Weg zur Verfügung zu stellen, der es einigen Menschen
      ermöglichen wird, so ihren eigenen inneren Lehrer zu finden.“

      Einen spirituellen Weg zu beschreiten kann viele Anregungen und interessante Ideen schenken. Sein Ziel sollte jedoch allein die Verbindung mit unserer inneren Stimme, unserem heiligen Geist sein. Und unser freier Wille kann nur entscheiden,ob er sich diesem vollständig und in jeder Lebenssituation anvertraut, eben, weil wir in dieser Welt noch nie wussten, weder, was wir tun sollen, noch, was irgendetwas bedeutet.

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