Freiheit

Du weißt, wie wohl einem bei Menschen ist, denen die Freiheit des anderen heilig ist.

Friedrich Schiller am 14.11.1788 an Gottfried Körner

Sie gehört zu den schönsten Träumen und schwierigsten Übungen in unserem Leben. Philosophen versuchen sie heute wie gestern zu ergründen, doch sie entzieht sich, je näher wir uns ihr glauben, um so strikter jedem unserer versuchten Worte. Wie auch könnte das hohe Gesetz des Lebens, welches uns aus der 12. Dimension (BW 2.950 000) nur einen blassen Schimmer seiner selbst erhaschen lässt, jemals in das Korsett auch der höchsten Sprache dieser Welt (BW 655) gepresst werden? Und doch sind uns in unserer Welt oft nur Worte gegeben, um uns das Unsagbare erfahrbar werden zu lassen.

Auch mir bleiben allein Worte, die suchen, uns unserer Freiheit näher zu bringen. Unser Bewusstsein hat sich die Freiheit genommen, sich selbst auf der niedrigsten Stufe seiner selbst zu erfahren. Auch wenn es sich damit aus Sicht des reinen Bewusstseins in einem Irrtum befindet, kann man diesen keinesfalls geringschätzen. Uns wurde vom Leben alle Freiheit bedingungslos geschenkt. Dass es auch die Freiheit einschließen würde, Unfreiheit zu erfahren, liegt so weit jenseits ihrer Grenzen, dass es unmöglich schien, damit auch nur ansatzweise zu spekulieren. Dennoch finden wir uns hier und heute in dieser unmöglichen Situation.

Ich habe Kinder auferzogen und erhöhet, und sie sind von mir abgefallen.

Jesaja 1:2

Das Wie und Warum kann und soll in diesem Beitrag nur angerissen werden, da das obige Lexikon, sowie mein Buch „Denke es dir, aber richtig“  offene Begrifflichkeiten ausführlich klärt. Wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis, dass sich im Warten auf einen fernen Erlöser nichts ändern kann. Man muss sogar sagen, dass die Gegebenheiten denen wir uns unterworfen haben, so unerträglich sind, weil wir allen äußeren Anforderungen, sprich: fernen Erlösern gefolgt sind. Doch sollte man klarer formuliert sagen, dass wir uns von ihnen „versuchen“ ließen. Sich von Gott getrennt erfahren zu wollen ist und bleibt absurd, da wir nach seinem Ebenbild erschaffen auch seinen Willen teilen. Unser limitiertes Bewusstsein „versucht“ uns ununterbrochen dahin, allen ihm fremden und angstvollen nach außen projizierten Gedanken Glauben zu schenken. Es versteht nicht, dass es halluziniert und stellt eine Welt voller Hass und Tod, die Widerspiegelungen eines verwirrten Geistes, nicht in Frage. Aus Sicht des ewigen Lebens ist unsere Welt bereits vergangen und die von der Wissenschaft geschätzten rund 14 Milliarden Jahre seit unserem „Abfall“  haben die Ewigkeit noch nicht einmal berührt, weil Ewigkeit und Zeit einander ausschließen. Unsere gesamte Geschichte, der Film unseres Universums, war in einem einzigen Augenblick abgedreht, so dass wir davon ausgehen müssen, dass alles zeitliche Erleben gleichzeitig auf einer vertikalen Ebene stattfindet. Unsere traumatisierende Erfahrung wird also in jedem Moment aufs Neue durchlebt und immer und immer wieder bestätigt. Wir sitzen klar gesprochen in unserer eigenen Falle. Und auch, wenn wir an unsere eigene Freiheit glauben wollen, können wir ohne göttliche Hilfe nicht zu ihr zurückfinden. Je niedriger unser Bewusstsein zeichnet, desto unglaubwürdiger erscheint ihm auch diese Möglichkeit. In diesem Sinn sind wir unserer Welt ebenso treu ergeben, wie die Quelle allen Lebens: Wir glauben an unsere Schöpfung. Dadurch vermittelt sie uns den Eindruck von Stabilität, wiewohl sie noch nie stabil war.

Der erste Schritt in Richtung Freiheit wird so auch zum Schwierigsten. Dies hängt mit unserem Ego zusammen, dem jedes niedrige Bewusstsein hörig ist. Es ist eben dieser Teil, der, wenn er über die Schwelle der von David Hawkins benannten „Unwahrheit“ von BW 200 hinaus getreten ist, sich immer sicherer und gleichzeitig anmaßender verhält. Es glaubt seine Freiheit allein darin zu finden, seinem Umfeld seinen kurzsichtigen, selbst bezogenen Willen aufzudrängen. Dabei scheut es nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden. In der nun folgenden Übersicht der unteren Bewusstseinsebenen habe ich diese darum in zwei deutlich voneinander getrennte Kategorien unterteilt.

Unfreiheit Freiheit
BW 100 Angst BW 500 Liebe
BW 200 Mut/Übermut BW 600 Friede/Selbstheilung
BW 310 Bereitwilligkeit BW 700 Weisheit
BW 350 Akzeptanz/ Vernunft BW 850 möglicher Erleuchtungsbeginn
BW 400 Intellekt

Unsere Freiheit beginnt ab dem Moment, in dem wir uns uns selbst und unserem Umfeld liebevoll zuwenden. Ich selbst wurde in vielen Fällen über die Jahre den geschickt gestellten Fallstricken unseres Ego gewahr, denen sich jene, die sich aus den von mir als „Unfreiheit“ benannten Bereiche wagten, gegenüber sahen. Für jedes am rationalen Verstand orientierte Bewusstsein ist ungemein schwierig, diesem Entschluss treu zu folgen. Immer wieder musste ich miterleben, wie sie sich beeinflussen und damit zurück in die Unfreiheit lenken ließen. Wenn wir treu die Medien verfolgen und alle unterhaltsamen Angebote der Film- und Musikindustrie wahrnehmen, ist es beinahe vorbestimmt, dass dieses Straucheln kein Ende zu nehmen scheint. Denn die Bereiche der Unfreiheit wissen uns geschickt im Glauben zu halten, als bestehe in ihrer Sicht der Welt unsere große Freiheit. So stimmen wir all den Meldungen über Schuld insgeheim zu. Doch alles, was wir bekämpfen stärken wir, weil es durch unsere Aufmerksamkeit in seinem negativen Sein bestätigt wird. Nur die Liebe wird einen Irrtum aus der Vergangenheit vergeben. Es kann lange währen bis dieser innere Kampf zwischen der Liebe und dem Hass als sinnlos erkannt wird. Daher ist die Hoffnung auf jede äußere Intervention sinnlos, weil unser freier Wille, der jenseits einer messbaren Bewusstseinsgrenze liegt, und damit  zu den mächtigsten unserer Eigenschaften gehört, niemals in Frage gestellt wird. Ich selbst habe mich oft gefragt, wie lang es dauern wird, bis jeder von uns diese Hürde mit innerer Klarheit genommen hat. Doch diese Frage sollte aus Sicht des ewigen Lebens irrelevant sein.

Auch wenn viele Menschen glauben wollen, dass hinter allem Leid und jeder Ungerechtigkeit dieser Welt mit Sicherheit eine sich nicht zu erkennen gebende fremde Macht steht, bleibt diese doch nichts weiter als Teil unseres nach außen projizierten Ego. Ein Ego, von dem wir erkennen sollten, dass es uns selbst immer hassen wird, weil es auf dem Glauben beruht, dass seine Besonderheit ihm das Recht gibt, alles und jeden seines kurzsichtigen Vorteiles Willen zu manipulieren. Sich diesen wahnsinnigen Mechanismen anpassen zu lernen, schenkt uns den Gesetzen der Welt zu Folge, wahre Freiheit. Und so glauben viele im billigsten Vergnügen tatsächlich ihre Freiheit gefunden zu haben. Niemand wird in solchen Gesetzen wahre Freiheit finden, weil die Welt keine Sicherheit als den Tod anzubieten hat. Unsere Freiheit gründet auf dem ewigen Leben. Und sein einziges Gesetz ist allein die Liebe.

Man sieht, wie notwendig eine gesellschaftliche, ökonomische und moralische Veränderung ist, aber die Reaktion kommt aus dem alten Bewusstsein, in dem das Denken die Hauptrolle spielt….Ohne eine tiefgreifende Veränderung dieses Bewusstseins wird jede Aktivität des Menschen, sei es auf der politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Ebene, nur dazu führen, dass wir uns gegenseitig und die Erde zerstören.

Jiddu Krishnamurti: Ein neues Bewusstsein

Freiheit ist unser Grundrecht und in dieser Welt ein wertvoller spiritueller Weg. Daher passt aus meiner Sicht das Kapitel „Freiheit“ aus meinem noch nicht veröffentlichten neuen Buch „Das Drehbuch deines Lebens“ gut, um ein Gefühl für das Unsagbare zu vermitteln:

Freiheit

Eines der wundervollen Geschenke des Lebens an uns ist unsere Freiheit. Wir sind – man wird es schwer glauben – in jeder Beziehung frei. Weil diese Behauptung beinahe allen Menschen wie ein Hohn vorkommen sollte, braucht es hier für unseren in Komplexität verhafteten Geist schlüssige Argumente. Dass wir uns allein durch unseren Glauben auch unsere angestammte Freiheit nehmen, kann unter dem Blick auf eine, alle Werte auf den Kopf stellende
Welt allerdings leicht erkannt werden. Gerade weil wir an so viele, uns zwingend notwendig erscheinenden Handlungen und Verbindlichkeiten glauben, ist es möglich zu durchschauen, dass unsere Welt eine Welt der Projektionen ist. Wenn wir uns den Katalog aller notwendiger Pflichten in unserem Leben Position für Position einmal anschauen und dann überlegen, ob auch nur irgendeine davon unser momentanes Leben bedroht, indem wir ihr nicht
nachkommen, werden wir selbstverständlich sagen, dass dies nicht der Fall sei. Wären wir tatsächlich in der Lage jetzt zu sagen: „Ich brauche all das nicht mehr!“ und blieben dort sitzen, wo wir sind und würden unsere Freiheit annehmen, die das Leben uns geschenkt hat, wären wir frei. Doch leider bestärken wir unseren Glauben in all die Notwendigkeiten unseres Lebens tagtäglich immer wieder, so dass es uns unmöglich scheint, alle selbstauferlegten, und ehrlich betrachtet, meist ungeliebten Zwänge freudig los zu lassen. Ja, was wird dann aus mir, wer zahlt meine Miete, was sagen die Nachbarn, wie soll ich das meinem Chef erklären und überdies die Versicherungsraten bezahlen, … und, und, und??? Was würde passieren, wenn wir unverhofft stürben?…: Ohne Frage würde das Leben einfach weitergehen. Doch auch wenn wir in diesem Leben einem überwiegend notgedrungenen Pflichtenkatalog folgen, in welchen wir unseren Glauben investiert haben, sind wir – das sollten wir anerkennen – frei. Wir sind frei zu glauben, was immer wir wollen und dementsprechend zu handeln. Wir können beginnen aus dieser, unserer Freiheit heraus, zu hinterfragen, ob uns all das, was wir glauben tun zu müssen, in Wirklichkeit nicht alle Freiheit nimmt. Denn letztlich ist allein unser innerer Frieden das, was wir wirklich brauchen. Wir können uns nicht vorstellen, dass unser Leben noch funktionieren würde, wenn wir über Nacht allen hochgehaltenen Pflichten entsagen. Auch darum gibt es die Zeit. Wir haben alle Zeit der Welt, um unseren inneren Frieden zu finden, der gleichzeitig auch unsere wirkliche Freiheit ist. Glauben wir an eine Welt, die uns ausnutzt, werden wir es hautnah erleben, weil wir so frei sind, dem Mangel Glauben zu schenken, brauchen wir eine perfekt aufgeräumte und saubere Wohnung, wird sie uns unser Leben lang beschäftigen und glauben lassen, dass in ihr unser Frieden weilt, fühlen wir uns nur durch ein entsprechendes Outfit wertvoll, müssen wir darein unsere wertvolle Zeit investieren, gehört es sich für uns, dazu zu gehören, werden wir unsere Freiheit nutzen, uns die unserem Stand angemessenen Freunde zu suchen…
Die gute Nachricht ist, dass all das keinerlei Bedeutung für unser wahres Sein hat und die schlechte ist die Tatsache, dass wir mit all dem „nur“ unsere Zeit vergeuden. Zeit, die uns gegeben ist, um tatsächlich frei und in Frieden zu sein, denn all unsere Pflichten und Notwendigkeiten waren der Versuch zu beweisen, dass es etwas Wertvolleres als die Liebe geben könnte, und wie sollte dieser Versuch am Ende nicht kläglich scheitern? Niemand, der wahrhaft frei sein möchte, wird gezwungen alles auf einmal hinzuschmeißen, quasi auszusteigen. Es würde uns, nunmehr all unseren angstbesetzten Glaubenssätzen gegenübergestellt, einfach überfordern. Doch Schritt für Schritt, von der Zeit liebevoll gehalten, kann es gelingen auch in unserer Welt des Geldes und all der anderen selbstherrlichen, Tribute fordernden Götzen, frei zu sein. Wir besitzen – das sollte nicht oft genug unterstrichen und wiederholt sein – ALLE Macht der Welt, wenn wir uns mit dem Geist verbinden, der tatsächlich unsere Freiheit will. Niemand außer uns selbst hat irgendeine Macht über uns,  vorausgesetzt wir glauben daran. Wenn, ja wenn dieser Glaube endlich auf der Wahrheit beruht, wird er uns in ganz anderer Weise führen und helfen, als unser alter Glaube an die Welt der Unmöglichkeiten. Bei Gott sind nicht nur alle Dinge möglich, sondern MIT ihm ist nichts unmöglich. Dort, in unserem Ursprung liegt unsere wahre Freiheit. Am Ende sollte es nur darum schwer sein, sich sogar in diesem Moment an ihre Größe zu erinnern, weil wir der uns innewohnenden Macht nicht trauen. Das Ego meint: „Nun, wenn alles Illusion ist und ich angeblich frei bin, kann ich tun, was immer mir einfällt, ohne für die Folgen verantwortlich gemacht zu werden.“ Das ist natürlich dummes Kindergeschwätz. In dem Augenblick, wo wir den Bogen überspannen, und lieblos auf unsere angebliche Freiheit pochen, sind wir nicht der Freiheit, sondern dem Irrsinn gefolgt. Weil dem Leben daran gelegen ist, dass wir endlich lebendig werden, schenkt es uns in jedem Fall Gelegenheiten, seine Geschenke anzunehmen und zu lernen, was es bedeutet frei zu sein.

Einer meiner hochbegabten Klavierstudenten erfuhr in seiner Kindheit eine grobe Missachtung seiner Begabung, weil sein Lehrer ihn gezielt mit schwierigster Konzertliteratur vorführte, um vor allem seine eigene, natürlich „besondere“ Unterrichtsmethode zu bewerben, ohne die sich entfalten wollende hohe Begabung seines jungen Schülers verantwortungsvoll fördern und würdigen zu wollen. Während des Musikstudiums machten sich bei diesem Studenten schwerste Depressionen bemerkbar, währen derer er am Klavier praktisch nur unbeholfen funktionierte. Gewohnt in meinem Beruf mit sogenannten „Problemfällen“ umzugehen (siehe mein Buch: „Musik: Soli Deo Gloria“), suchte ich ihm so weit als möglich zu helfen. So verabredeten wir, dass er nur zum Unterricht zu kommen brauchte, wenn es ihm gut ging. Ich schenkte ihm etwas Freiheit und mein ganzes Vertrauen. Sein Examen war hervorragend, so dass man ihm das Angebot unterbreitete, weiter zu studieren und er dachte sogar darüber nach, Dirigent zu werden. Doch all das unter den Vorzeichen unverhofft eintreffender, jede Musikalität lähmender Depressionen? Er nahm sich glücklicherweise eine Auszeit und da es ihm in Gesellschaft mit vielen Menschen immer besser ging, ergab es sich „zufällig“, dass er ein Angebot bekam, auf einem Kreuzfahrtschiff mit anderen Musikern für das kulturelle Programm zu sorgen. Er fährt nun an die herrlichsten Küsten dieser Erde, nimmt an den wunderbaren Tagesausflügen teil, muss abends nicht mit schwierigster Konzertliteratur brillieren und lernt sich frei zu fühlen. Ist es nicht unendlich liebevoll, einer Seele, die beinahe am Leben verzweifelt wäre auf diese Weise zu zeigen, dass sie vom Leben geliebt wird? Ich bin sicher, dass diese Fahrten nicht die Endstation seines Lebens sein werden. Sind auch wir bereit, uns vom Leben eine Auszeit zu nehmen, wenn ähnliche Alarmsignale in unserem Leben rufen: STOP? Oder gehen wir zum Arzt, fordern unsere Tablettenration, regen uns dazu über die damit zwangsläufig verbundenen Nebenwirkungen auf und machen weiter wie bisher? Wir essen ungesund all die billig und lieblos erzeugten Nahrungsmittel und nehmen neben Magentabletten auch noch Blutdrucksenker ein, lassen uns an der Galle operieren und machen weiter wie gehabt. Wir führen ein Leben voller Stress und glauben mit starken Schlaftabletten oder Alkohol unseren erholsamen Schlaf zu finden. Was, glauben wir, soll das Leben denn noch für uns tun, um uns daran zu erinnern, dass wir frei sind? Wir wollen weitermachen wie bisher UND frei sein? Wie sollte das wohl funktionieren?
Stellen wir darum klar: Wir sind frei, jedoch unser auf irrealen Ängsten aufbauendes Glaubenssystem bewirkt, das allein wir uns dieses Lebensanrecht verbieten. Somit haben wir auch in diesem Fall in vollkommener Freiheit gehandelt. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: Es gibt keine fremde Macht außerhalb von uns. Allein darum wäre es überaus weise, der realen Macht des Lebens zu folgen, als jener gewohnten, besonderen, die das Drehbuch einer unmöglichen Welt voller sinnloser Verbindlichkeiten schrieb.

Freiheit bedeutet, sich selbst ein Licht zu sein.

Jiddu Krishnamurti: Ein neues Bewusstsein

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