Künft´ger Zeiten eitler Kummer – Georg Friedrich Händels 9 deutsche Arien

Künftger Zeiten eitler Kummer Stört nicht unsern sanften Schlummer; Ehrgeiz hat uns nie besiegt. Mit dem unbesorgten Leben, Das der Schöpfer uns gegeben, Sind wir ruhig und vergnügt.

— Barthold Heinrich Brockers („Irdisches Vergnügen in Gott“)

Georg Friedrich Händel (1685-1759) kann als einer der schaffensgewaltigsten Komponisten  angesehen werden. Sein Œuvre ist in seinem Umfang gewaltiger als das von J. S. Bach Beethoven und Beethoven zusammengenommen. 

Als Georg Friedrich Händel (1685 -1759) 1707 seinen ersten Psalm „Dixit Dominu“s schrieb und im Jahr darauf in Rom sein Aufsehen erregendes christliches Oratorium „La resurezzione“ (Die Auferstehung) aufgeführt wurde, weil er, entgegen aller damaligen „Regeln“ innerhalb kirchlicher Musik, einer Frauenstimme die tragende Rolle in seinem Werk übertrug, blickte er auf eine fundierte Ausbildung unter Schirmherrschaft Herzog Johann Adolf I. ab seinem 8. Lebensjahr zurück, die von selbst erwählten 4 Jahren Musikstudium in Italien gekrönt wurden. Ihm gelang, wovon die meisten Musiker aller Zeiten nur träumen: eine erfolgreiche Karriere als angesehener wohlhabender, freier Komponist. Man kann ihn heute unbesehen als den ersten „Superstar“ der Musik bezeichnen. Seine Produktivität war derjenigen Mozarts vergleichbar, wobei sein Schicksal es ihm ermöglichte, die höchste Werkanzahl aller je in einem Leben komponierten Werke sein eigen zu nennen. Im selben Jahr wie Bach geboren, könnte beider Kompositionsweise und Lebensstil unterschiedlicher nicht sein. Bach, mit 10 Jahren Vollwaise und sich daher selbst um seine Ausbildung stets bemühend – für die meisten Musiker neben Mozart der größte aller Komponisten – hatte es schwer eine seinem Genie gemäß befriedigende Anstellung zu finden. In Weimar in Jagduniform gezwungen und in Leipzig als Thomaskantor überdies Latein unterrichtend, war es für ihn nicht einfach, seiner Berufung zu folgen. Wie in den Zeiten davor ging man deshalb ins Kloster oder trat notgedrungen in den Dienst von Königen und Fürsten oder lebte, zumindest im deutschsprachigen Raum – Bach, Beethoven, Mozart und Schubert gleich – ein entbehrungsreiches Leben. Es war noch nie einfach ein Genie und damit inspiriert zu sein.

„MUSIK – Soli Deo Gloria“: I. Jacobson

Die hier vorgestellten 9 deutschen Arien nach Texten des Hamburger Dichters B.H. Brockers sind, auch in ihrer Sprachwahl, als absolutes Sonderwerk des großen Komponisten anzusehen, über den Beethoven bewundernd äußerte:

Händel ist der größte Komponist, der je gelebt hat. Ich würde mein Haupt entblößen und an seinem Grabe niederknien.

Die einzelnen da capo-Arien dieser Einspielung mit Dorothea Röschmann, Sopran, und einem Ensemble der Akademie für Alte Musik, Berlin testen alle ohne Ausnahme BW 4400.

Künftger Zeiten eitler Kummer
Stört nicht unsern sanften Schlummer;
Ehrgeiz hat uns nie besiegt.
Mit dem unbesorgten Leben,
Das der Schöpfer uns gegeben,
Sind wir ruhig und vergnügt.

Das zitternde Glänzen
Der spielenden Wellen
Versilbert das Ufer,
beperlet den Strand.
Die rauschenden Flüsse,
die sprudelnden Quellen.
Bereichern, befruchten,
beperlen den Strand.
Und machen in tausend 
vergnügenden Fällen
Die Güte des herrlichen 
Schöpfers bekannt.

Süßer Blumen Ambraflocken,
Euer Silber soll mich locken
Dem zum Ruhm, Der euch gemacht,
Da ihr fall't; will ich mich schwingen
Himmelwärts, und den besingen,
Der die Welt hervorgebracht.

Süße Stille, sanfte Quelle
Ruhiger Gelassenheit!
Selbst die Seele wird erfreut,
[Da, in deiner Süßigkeit,
Ich mir hier nach dieser Zeit
Voll mühsel'ger Eitelkeit]1,
Jene Ruh vor Augen stelle,
Die uns ewig ist bereit.

Singe, Seele, Gott zum Preise,
Der auf solche weise Weise
Alle Welt so herrlich schmückt.
Der uns durchs Gehör erquickt,
Der uns durchs Gesicht entzückt,
Wenn Er Bäum' und Feld beblühmet,
Sei gepreiset, sei gerühmet!

Meine Seele
hört im Sehen,
Wie, den Schöpfer
zu erhöhen,
Alles jauchzet,
alles lacht.
Höret nur,
des erblühnden
Frühlings Pracht
Ist die Sprache der Natur,
Die uns deutlich
durchs Gesicht,
Allenthalben
mit uns spricht.

Die ihr aus dunklen Grüften
Den eitlen Mammon grabt,
Seht, was ihr hier in Lüften
Für reiche Schätze habt.
Sprecht nicht, es ist nur Farb' und Schein,
Man zählt und schließt es nicht im Kasten ein

In den angenehmen Büschen,
Wo sich Licht und Schatten mischen,
Suchet sich in stiller Lust
Aug' und Herze zu erfrischen;
Dann erheb't sich [aus]1 der Brust
Mein zufriedenes Gemüte,
Und lobsingt des Schöpfers Güte,


Flammende Rose, Zierde der Erden,
Glänzender Gärten bezaubernde Pracht!
Augen, die deine Vortrefflichkeit sehen,
Müßen vor Anmut [erstaunet, gestehen]1,
Daß dich ein göttlicher Finger gemacht.
Veröffentlicht in: Musik

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