Lili Boulanger – unerhörte Klangmeisterin

Als Freund Frankreichs möchte ich mein Erstaunen darüber zum Ausdruck bringen, dass Lili Boulanger nicht als die Persönlichkeit angesehen wird, die sie in Wirklichkeit ist; nämlich die größte Komponistin der Musikgeschichte!

— Igor Markevitch (1912-1983) – Komponist und Dirigent

Lili Boulanger (1893-1918) war nur ein kurzes, von schwerer Krankheit gezeichnetes Leben vergönnt. Heute würde man sie bereits als Kind als „hochbegabt“ bezeichnet haben. 1913 erhielt sie als erste Frau überhaupt für ihre Kantate „Faust et Héléne“ den begehrten „Grand Prix de Rome“ während des anerkannten gleichnamigen  Kompositionswettbewerbes, nachdem sie bereits 1912 aus gesundheitlichen Gründen die Teilnahme frühzeitig beenden musste. Im zweiten Weltkrieg verpflichtete sie sich gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Nadja (1887-1979, Komponistin, Dirigentin und herausragende Klavierpädagogin) ungeachtet ihrer gesundheitlichen Labilität als Lazarett-Krankenschwester an der Front. Ihr Bewusstsein  (BW 600 – 849) lag zu Lebzeiten weit über dem ihrer Zeitgenossen und so muss sie sich ähnlich fremd in ihrer Welt gefühlt haben, wie es im Beitrag über Rachmaninow geschildert wurde. Die hier vorgestellten Werke sind, ebenso wie die der meisten unserer großen Komponisten, für ein viel höheres Bewusstsein und damit für unsere nahe Zukunft komponiert worden. Daher beziehen sich die zwei angegebenen BW an erster Stelle auf die hier eingestellte Interpretation und 2. auf die in der Komposition angelegten, zukünftigen Klangmöglichkeiten. Viel Freude beim Zuhören und Entdecken!


D´un matin de printemps – Orchesterfassung (Ein Morgen im Frühling): BW 800/ BW 4400

 


D´un matin de printemps – Violine und Klavier – (Ein Morgen im Frühling): BW 880/ BW 4400

Weihnachten! Weihnachten!…Ich glaube, die Leute sehen mich nicht richtig- alle denken, ich bin eine kleine oberflächliche und lustige Natur; dabei habe ich so viel Kummer und Schmerz in mir! … ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich so einsam! Niemand sieht, wie tief und verlässlich ich Menschen lieben kann – niemand begreift, wieviel Zärtlichkeit mein Herz braucht, ich könnte auf der Stelle weinen…und jetzt weine ich auch!

— Lili Boulanger am 25.12.1912 an Miki Piré

 


Vieille priére bouddhique (Altes buddhistisches Gebet): BW 756/ BW 6100

Vieille Prière bouddhique

Que toute chose qui respire
-- que toutes les créatures et partout,
tous les esprits et tous ceux qui sont nés,
que toutes les femmes, que tous les hommes,
les Aryens, et les non-Aryens,
tous les dieux et tous les humains
 et ceux qui sont déchus,
en orient et en Occident, au Nord et au Sud,
que tous les êtres qui existent --
sans ennemis, sans obstacles, surmontant la douleur
et atteignant le bonheur, puisse se mouvoir librement,
chacun dans la voie qui lui est destinée.
Altes buddhistisches Gebet
(Tägliches Gebet für das ganze Universum)

Alles, was Odem hat, soll ohne Feinde, ohne jede Behinderung,
den Schmerz überwinden und Glückseligkeit erlangen,
und sich in Freiheit bewegen, ein jeder auf dem Weg, der seine Bestimmung ist.
Alle Geschöpfe von überall her, alle Geister, und alles, was existiert,
soll ohne Feinde, ohne jede Behinderung, den Schmerz überwinden und Glückseligkeit erlangen,
und sich in Freiheit bewegen, ein jeder auf dem Weg, der seine Bestimmung ist.
Alle Frauen, alle Männer, alle Reinen und Unreinen, alle Götter und alle Menschen,
und alle, die gestrauchelt sind, sollen ohne Feinde, ohne jede Behinderung,
den Schmerz überwinden und Glückseligkeit erlangen,
und sich in Freiheit bewegen, ein jeder auf dem Weg, der seine Bestimmung ist.
Im Morgenland und Abendland, Norden und Süden sollen alle, die existieren,
ohne Feinde, ohne jede Behinderung, den Schmerz überwinden und Glückseligkeit erlangen,
und sich in Freiheit bewegen, ein jeder auf dem Weg, der seine Bestimmung ist.

 


Clairières dans le ciel (Lichter am Himmel): BW 840/ BW 4400

 


D´un vieux jardin (Aus einem alten Garten): BW 780/ BW 4100

 


Pie Jesu (Gütiger Jesus): BW 870/ BW 3300

Bei diesem Werk handelt es sich um eine sehr besondere, weil letzte Komposition Lili Boulangers, die alle kompositorischen Anweisungen, nicht mehr fähig zu schreiben, von ihrem Sterbebett aus ihrer Schwester Nadja Boulanger diktierte.

 


Renouveau (Erneuerung): BW 820/ BW 3800

 


Soleils de Septembre (Septembersonnen): BW 813/ BW 3600

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.