Ostermon(d)tag

Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin;
Deines Schöpfers weiser Wille hieß auf jener Bahn dich ziehn.
Leuchte freundlich jedem Müden in das stille Kämmerlein!
Und dein Schimmer gieße Frieden in’s bedrängte Herz hinein!

Guter Mond, du wandelst leise an dem blauen Himmelszelt,
Wo dich Gott zu seinem Preise hat als Leuchte hingestellt.
Blicke traulich zu uns nieder durch die Nacht auf’s Erdenrund!
Als ein treuer Menschenhüter tust du Gottes Liebe kund!

Guter Mond, so sanft und milde glänzest du im Sternenmeer,
Wallest in dem Lichtgefilde hehr und feierlich einher.
Menschentröster, Gottesbote, der auf Friedenswolken thront:
Zu dem schönsten Morgenrote führst du uns, o guter Mond!

– Karl Enslin (1819-1875)

Es wird nicht viele Menschen geben, die die Bedeutung und den Sinn unserer kirchlichen Feiertage grundsätzlich in Frage stellen. Weihnachten wird als die Geburt Christi und Ostern als das Fest seiner Auferstehung gefeiert. Dass diese beiden Feste allerdings ALLE ursprünglichen, mit den Kreisläufen unseres Lebens in Übereinstimmung stehenden natürlichen Zyklen vollkommen durcheinanderwürfeln und damit quasi auf den Kopf stellen, wird sich kaum jemand vorstellen können. Doch in Wahrheit ist es tatsächlich so. Um unser Bewusstsein wieder mit dem uns gegebenen, die Natur und das Leben ehrenden, natürlichen Lebenszyklen in Übereinstimmung zu bringen, soll in diesem Beitrag ein „erleuchtender“ Blick auf unsere heiligen Jahresfeste geworfen werden. In alten Zeiten, als die Natur selbstverständlich als die uns nährende und schützende Mutter verehrt wurde, kannte man nur zwei Jahreszeiten: Eine dunkle und eine lichtvolle. Dieses sehr einfache Verständnis wird z. B. (nachweisbar seit dem 13. Jahrhundert), an uralte Bräuche anknüpfend, heute noch in Eisenach mit dem jährlich stattfindenden Sommergewinn begangen. Dort wird zwei Wochen vor unserem Osterfest mit einem Festumzug durch die ganze Stadt und dem traditionellen Streitgespräch zwischen Frau Sunna und dem Winter, der Winter mit dem symbolischen Verbrennen einer Strohpuppe vertrieben. Die zwei Wochen vor dem Osterfest für diesen Brauch sind durchaus kein Zufall, da diese mit dem Beginn des zunehmenden Mondes in Zusammenhang stehen, welcher durch seine ansteigende Energie stets die Eigenschaft besitzt, nicht nur Pflanzen zum wachsen anzuregen. Obwohl es im kirchlichen Jahreskanon anders begründet wird, war dann der zu erwartende Vollmond auch IMMER der Ostermontag und damit der höchste Feiertag im Jahr, weil mit dieser Lichtfülle die dunkle Jahreszeit eindeutig als überwunden galt. Im Beitrag „OSTERN- das heilige Versprechen der Mutter“ wurde bereits erwähnt, dass dieser Ostermon(d)tag in diesem Jahr auf Dienstag, den 30.März 2021 gefallen ist.

Aus einer für unsere „moderne“ Welt vollkommen unvorstellbaren Sicht, nämlich jener, die sich als Teil eines Gesamtorganismus, als Teil der Natur sieht – immerhin haben wir alle einen Körper, der uns von der Mutter Erde geliehen wurde – kann Gesundheit, wie wir sie uns alle ersehnen, NUR in vollkommenen Einklang mit den Zyklen der Natur eintreten. Ein natürlicher Lebensrhythmus, der die immer auf uns einwirkenden Mondkräfte berücksichtigt, ist mit unserer strikten 7-Tage-Woche, welche sich an der im Grunde genommenen willkürlich ausgewählten „chaldäischen Planetenreihe“  (Saturn=Samstag, Sonne= Sonntag, Mond= Montag, Mars= Dienstag, Merkur= Mittwoch, Jupiter= Donnerstag, Venus= Freitag) orientiert, wohl kaum möglich. Der menschliche Biorhythmus schwingt tatsächlich in einem vom Mond abhängigen 14-tägigen Takt, so dass wir alle 14 Tage Ruhe brauchen, wie wir in dem dazwischenliegenden, anderen 14-Tage-Takt in Höchstform sind. Gleichzeitig gilt es innerhalb dieser Betrachtung sein persönliches Geburtsdatum zu beachten, da hier ein weiteres rhythmisches System wirkt. Im Grunde genommen zeigt es uns, dass wir NUR nach unserer inneren Uhr, unserem Herzen, leben sollten.

Dass die Menschen erkannten, dass sogar die weit entfernten Sterne einen Einfluss auf ihr Leben auszuüben schienen, gleicht einem Wunder. Die Astrologie zeigt uns, dass wir nicht nur in der Lage waren den Wechsel der Sterne über ein Jahr zu verfolgen, sondern scheinbar auch über eine für ein einziges Menschenleben niemals zu erreichende Spanne von tausenden Jahren. Den Wechsel des Frühlingspunktes der Erdwanderung durch die Sterne alle 2160 Jahre zu erfassen, sollte eigentlich unmöglich gewesen sein. Dennoch verstanden die Menschen, dass das Sternbild dieses Frühlingspunktes die Qualität eines sogenannten „Zeitalters“ zu bestimmen schien. Es gab somit das Zeitalter der Jungfrau, des Löwen, des Krebses, des Zwillings, des Stieres, des Widders. Wir selbst befinden uns nach diesem Modell derzeit im Zeitalter der Fische, welches mit der Zeitrechnung und der Geburt Jesu begann. Da das Sternbild der Fische 37º des beobachteten Tierkreises einnimmt, wird das nächste Zeitalter, das Wassermannzeitalter, astronomisch genau im Jahre 2600 beginnen. Für diejenigen, die darauf bestehen, dass jedem der 12 Tierkreiszeichen nur 30º zustehen dürfen, auch wenn sich dies in der Realität anders darstellt, wird das Wassermannzeitalter bereits im Jahre 2160 beginnen. Andere Berechnungen meinen, dass wir uns längst darin befinden.

Nun kann man sich fragen, was der Frühlingspunkt der Erdwanderung mit den Eigenschaften eines Zeitalters zu tun haben könnte, wandert doch die Erde in der Folge wie seit Urzeiten im Jahresverlauf beständig durch alle Sternbilder hindurch und man könnte den Beginn des Erdjahres genauso gut für jedes andere beliebige Datum bestimmen, so dass wir uns heute in einem vollkommen anderen Zeitalter befänden. Alle 25.920 Jahre beginnt nach diesen Beobachtungen der festgelegte Kreis der Zeitalter erneut. Es gibt Überlieferungen, wonach es innerhalb der wechselnden Zeitalter viele sogenannte „Erlöser“ gab, die von einer Jungfrau, am 25. Dezember geboren wurden, Wunder vollbrachten, 12 Jünger hatten, meist gekreuzigt wurde und nach drei Tagen wieder auferstanden.

Ein enger Zusammenhang zwischen der Wiedergeburt der Sonne zur Wintersonnenwende, den 12 Sternzeichen als den 12 Jüngern und dem Sternbild „Kreuz des Südens“, an dem die Sonne zur Wintersonnenwenden für 3 Tage lang quasi „stirbt“ und der Kreuzigung mit dem folgenden Wiederauferstehungsgeschehen ist unübersehbar. Ein uralter Sonnenkult scheint Pate für die Vorstellung der Menschen gestanden zu haben, die all ihre Hoffnung auf einen Erlöser aus ihrem leidvollen Leben setzten. Wenn wir davon ausgehen, dass sich nicht nur die Zeitalter wiederholen, sondern wir uns unserem Ego gemäß in einer ständigen Kreisbewegung um uns selbst befinden, analog dem Kreisen unserer Erde durch die Sternbilder, ist es leicht vorstellbar, dass tatsächlich bereits zahllose hohe Seelen geboren wurden, um die Menschen zu lehren, wo der tatsächliche Ausweg aus ihrer Not zu finden war.

Wenn man die Sonne als eine Macht anbetet oder einen fernen Gott und damit die Hoffnung auf einen göttlichen Erlöser aus unterdrückender Macht auf Erden setzt, will man an ferne Mächte glauben und sieht sich selbst als machtlos an. Ähnlich wie es der Sonne geht, die für drei Tage sterben muss, mussten darum auch alle Erlöser sterben und wiederauferstehen. Am Ende ist alles geblieben wie es war. Der angeflehte Gott hatte seinen Sohn zur Erde geschickt, dieser hatte Wunder vollbracht und gelehrt, jedoch der Glaube an ferne Rettung blieb und damit auch an verschworene Mächte, die, um sich weiterhin egoistisch am Leid vieler bereichern zu können, ewig und immer bereit sein würden zu morden. Da ist der Wunsch, die Welt solle untergehen und all dem ein Ende bereiten, nicht weit her, so dass auch eine derartige Katastrophe folgerichtig grausamer Teil des Kreislaufs wurde. Wir können uns fragen, ob wir uns weiterhin als Mitläufer einer scheinbaren „Entwicklung“ innerhalb eines Kreise sehen wollen, die nirgendwohin führt.

– Irina Jacobson: „Die Einheit des Lebens„, Seite 167-169

Jesus wurde am 17. September, im Sternbild der Jungfrau (und NICHT von einer Jungfrau), im Jahr 01.v.Chr. geboren. Unser heutiges Weihnachtsfest geht auf einen uralten Brauch zurück, den Tag mit Licht zu begrüßen, der nach der längsten Nacht des Jahres folgte: das heilige JULFEST, die Mütternacht, vom 24. zum 25. Dezember. 12 Tage vor und nach dieser Nacht liegen die 24 heiligen Julnächte, wobei heute noch in Schweden deren Beginn am 13. Dezember mit dem Fest der Heiligen Lucia mit großer Freude zelebriert wird.

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