Vom Wunsch nach Veränderung – Franz-Liszt in Weimar

Überall auch, bei allen Klassen von ausübenden, lehrenden oder komponierenden Musikern, hörten wir Klagen, Widerrufe, Worte der Unzufriedenheit und des Zorns, den Wunsch nach Veränderung oder Verbesserung, Sehnsucht nach einer besseren, angenehmeren Zukunft; eine mitunter dumpfe und widersprüchliche Sehnsucht, welche aber stets die Gärung der neuen Hefe verrät. Mehr oder weniger offen, mehr oder weniger tief: Alle leiden.

— Franz Liszt (1811-1886): „Sämtliche Schriften“ Bd. 1, S. 59

Nach dem Urteil eines jeden, ob Reaktionär oder Neuerer, ob unverbesserlicher Fanatiker des Status quo oder kühner Theoretiker des Fortschritts, genießt die Kunst uneingeschränktes Bürgerrecht. In dieser Beziehung sparen selbst die wichtigen Verteidiger der Ordnung nicht an schönen Worten und großen Gläsern voller parlamentarischen Zuckerwassers. Gegenwärtig ist also nichts gebräuchlicher, trivialer, als mit hohlen und wohlklingenden Phrasen die angebliche Macht der Kunst zu preisen, die ebenso wahr und ebenso erlogen ist wie die angebliche Macht des Volkes.

— Franz Liszt (1811-1886): „Sämtliche Schriften“ Bd. 1, S. 29

Wenn ich dennoch ein Dutzend Jahre in Weimar geblieben bin, so bin ich dort von einem Gefühl zurückgehalten worden und obendrein von einer großen Idee: die der Wiedergeburt der Musik durch das innigste Bündnis mit der Dichtung…

— Franz Liszt: 16.01.1868 an A. Street-Klindworth

Quelle: https://www.nmz.de/artikel/vom-wunsch-nach-veraenderung

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